Dormaa Ahenkro 2013
Cosmos Children

Wieder in Dormaa Ahenkro – 2013

In einigen Tagen werde ich nun bereits zum dritten Mal Abschied nehmen von den Kindern, von Dormaa Ahenkro, von Ghana ... Das will geplant sein, habe ich gelernt, denn „einfach so“ sich verabschieden, das kann man hier nicht.

Also werde ich demnächst zum Markt gehen, dort ein schönes Huhn kaufen, es unter den Arm packen und nach Hause tragen, wo es geschlachtet und zu einer leckeren Beilage zum Fufu, dem Lieblingsgericht der Ghanaer, verarbeitet wird. Für die Kinder werde ich noch ein paar Tüten mit getrockneten Kochbananenscheiben und über dem offenen Feuer gerösteten Erdnüssen kaufen. Ich werde sie bei Akua, der netten Nachbarin, bestellen, die ein kleines Holzbüdchen besitzt, in dem sie all die Dinge verkauft, die eigentlich in jedem ghanaischen Holzbüdchen verkauft werden: selbstgemachte Seife, Waschpulver, Reis, Bohnen, Streichhölzer, Tomatenmark, Biskuits, Süßigkeiten (made in China) ... Eine Flasche Fanta für jeden werde ich auch besorgen. Die gibt es sonst nur zu Weihnachten ... Etwas wird anders sein bei diesem Abschied: Ich werde einen Koffer hier lassen mit den Dingen, die ich bei meinem nächsten Aufenthalt wieder brauchen werde. Aber diesen Koffer werde ich vermutlich in einem anderen Haus wieder öffnen ...

Bereits bei meinem zweiten Aufenthalt hier in Dormaa Ahenkro, war klar, dass wir aus dem Haus, dass Cosmos und Susanne für die Kinder angemietet haben, raus müssen. Der Hausbesitzer hat nämlich gemerkt, dass „Obronis“ (so werden hier die Weißen genannt) in dem Projekt zeitweise mitarbeiten, und das ist für ihn Grund genug, ständig die Miete anzuheben. Auch wird das Haus zu klein; es leben z.Z. 5 Kinder hier, zudem wird ein Junge morgens gebracht und abends wieder abgeholt. Etliche Kinder würden zudem gerne zu uns kommen, immer wieder müssen wir die Eltern vertrösten.

Vor zwei Jahren allerdings hatten wir noch die Idee, auf dem Grundstück, das Cosmos gehört und das auch sehr schön gelegen ist, zu bauen. Leider ist es vor allem in der Regenzeit sehr nass. Es müsste trocken gelegt werden; Zeit- und Geldaufwand sind erheblich und im Augenblick nicht realistisch.

Also hat Cosmos während seines letzten Aufenthaltes im Oktober 2013 Ausschau gehalten nach einem geeigneten Haus.

Und eins gefunden! Es ist wunderschön gelegen am Rande eines Stadtteils von Dormaa, durch das wir jeden Tag unsere Kinder in Rollstühlen spazieren fahren. Zu allen Seiten hin haben wir Nachbarn, die vorbeiführende Straße geht zum Markt, schräg gegenüber ist eine Schule. Also kein Abseits sondern ein „Mittendrin“. Zu dem Haus gehört ein Grundstück, auf dem sich ein kleiner Gemüsegarten befindet. Platz für ein weiteres kleines Haus ist ebenfalls vorhanden.

Einziger Nachteil: der Preis. Das Haus soll umgerechnet 14.000 € kosten. Hinzu kommen notwendige Reparaturen (Dach) und Renovierungskosten von insgesamt 2.000 €. Und das ist für die paar Menschen, die bisher das kleine Projekt finanziell getragen haben, viel Geld, zu viel Geld.

In der Hauptsache sind es Cosmos und Susanne, die jeden Monat von ihrem privaten schwedischen Konto Geld nach Ghana überweisen, damit hier für die Kinder eingekauft und gekocht werden kann; Strom- und Wasserrechnungen müssen beglichen werden, Gehälter gezahlt, die Miete überwiesen werden, Aachener Freunde beteiligen sich etwas, aber die große Hauptlast liegt doch jeden Monat bei Cosmos und Susanne.

Und dennoch: Mehr als die Hälfte der Kaufsumme, ca. 9.000 €, sind bereits da!

Dies ist vor allem alten Freunden von Cosmos und Susanne zu verdanken, Alex und Roswitha Mauckner, die in Aachen leben und anlässlich ihres gemeinsamen Geburtstages eine große afrikanische Party organisiert haben, bei der 5.000 € für Cosmos-Children-Home gespendet wurden.

Aufgestockt wurde diese Summe durch Spenden des Basars der Freien Waldorfschule, des Waldorfkindergartens und der Parzival Schule in Aachen. Norwegische Freunde spendeten ebenfalls eine größere Summe; hinzu kommen Spenden Aachener Freunde.

Wir sind sehr zuversichtlich, bis Ende März 2014 das restliche Geld für den Hauskauf zusammen zu haben; bis dahin hat sich die Besitzerin, die bereits eine Anzahlung erhalten hat, bereit erklärt zu warten.

Vor meiner Abreise hatte ich das große Glück, „zufällig“ eine Mitarbeiterin des Kindermissionswerks zu treffen, die ich noch von früher kannte. Ich erzählte ihr von unserem Projekt in Ghana und von unseren Geldsorgen. Rasch und unbürokratisch nannte sie mir die Punkte, die bei einer Antragstellung auf Kostenübernahme zu berücksichtigen sind: ein klares Konzept, ein Empfehlungsschreiben des Bischofs vor Ort in Sunyani, ein Finanzierungsplan.

Wir ahnten, was zu tun ist. Wir: Alexander Mauckner hat mich in den ersten beiden Wochen begleitet und so das Projekt seines Freundes Cosmos kennen gelernt. Er hat aber nicht nur sechs Kinder, die Betreuer und die dazugehörige ghanaische Kultur kennengelernt (Essen mit Fingern, Eimerdusche ...) sondern auch das allgemeine heiße, laute, dreckige und herzoffene Leben in Afrika ...

So mussten wir mit Behörden verhandeln, damit wir endlich „richtig“ als NGO anerkannt werden. (Wir glaubten, es schon längst zu sein, aber das uns damals ausgestellte Papier war doch nicht das richtige ... Ach, Afrika ...) Gemeinsam mit unserem neuen Manager (jede NGO braucht einen sog. Manager), dem jungen sympathischen Priester Ambrose, sowie mit Cosmos haben wir es nach einem endlos scheinenden Papier- und Wortgefecht hingekriegt, dass Alex am Abend vor seiner Abreise die begehrte Bescheinigung in Empfang nehmen konnte. Wir konnten es kaum glauben und haben den Menschen, der endlich bereit war, seine Unterschrift zu geben, spontan herzlich umarmt.

Eine Begegnung mit dem Bischof hatte bereits zu Beginn unseres Aufenthaltes stattgefunden. Er war auf der Durchreise und hat uns kurz besucht. Damit er uns auch ganz bestimmt findet, haben wir uns mit den Kindern an den Straßenrand gesetzt und auf ihn gewartet. (Sechs Kinder im Rollstuhl sind kaum zu übersehen). Die Begegnung mit ihm hat uns alle tief beeindruckt: Ein feiner, kluger Mensch stand da vor uns, der die richtigen Fragen stellte und genau wusste, was wir noch zu tun haben, bevor er ein Empfehlungsschreiben ausstellen kann: ein klares, ausführliches Konzept.

Es hatte sich mittlerweile viel Volk angesammelt, das Bild war wohl auch sehr ungewöhnlich: Ein würdevoll gekleideter Bischof inmitten einer Schar von verschwitzten und wahrlich nicht mehr sauberen Kindern und Betreuern. Dazu noch zwei Obronis ...

Also haben Alex und ich in den folgenden Tagen das Konzept geschrieben, es liegt mittlerweile beim Kindermissionswerk und soll dem Bischof, wenn es ins Englische übersetzt ist, noch zugeschickt werden.

Wir bitten das Kindermissionswerk uns nach erfolgtem Hauskauf zu entlasten und für drei Jahre die laufenden Kosten zu übernehmen.

Von den Kindern habe ich noch gar nichts erzählt: Als wir ankamen, haben sie sich riesig gefreut – es war eine typisch afrikanisch herzliche Begrüßung. Es schien ihnen allen gut zu gehen, nur Kobi (8 Jahre) machte uns Sorgen. Er sah schlecht aus, war extrem dünn geworden, am Rande zum Unterernährtsein. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sehr schwer und zeitraubend ist, Kobi zu füttern; ich weiß auch, dass es sehr anstrengend ist, die Kinder morgens und abends zu waschen und einige von ihnen zu wickeln. Zudem muss die gesamte Wäsche jeden Tag von Hand gewaschen werden usw. Ich weiß das alles, und dennoch kann ich den Zustand, in dem Kobi sich bei unserer Ankunft befand, nicht hinnehmen.

Wieder in Dormaa Ahenkro 2013 01

Hinzu kommen andere eher zwischenmenschliche Probleme, die dazu geführt haben, dass innerhalb des ghanaischen Personals die Zusammenarbeit schwierig bis unmöglich geworden ist.

Dies alles hat dazu geführt, dass wir uns entschieden haben einen Personalwechsel vorzunehmen, sobald wir in ein neues Haus umgezogen sind. Monica, die bisher treu und liebevoll die kleine Schule weiter geführt hat, aber an dieser Stelle auch langsam an ihre Grenzen gerät, wird gemeinsam mit Amma, einer jungen dynamischen Frau, sich um das Wohl der Kinder kümmern.

Was mich beruhigt abreisen lässt, ist die Tatsache, dass Josef, ein junger Freund von Cosmos, die kleine Schule, die wir gemeinsam jeden Vormittag haben leben lassen, übernehmen wird; auch wird er sich viel um Kobi kümmern.

Spätestens im kommenden Herbst werde ich wieder nach Dormaa reisen, über die modernen Kommunikationsmittel bleibe ich in Kontakt mit den mir so lieben Menschen. In Gedanken bin ich (fast) ständig dort.

Patrice Reinhardt